Beitrag des WIPP im Sammelband bei Springer erschienen

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Am 11. April 2013 ist nun unser Beitrag „Beobachtung: Ein mentalisierungsgestütztes Pädagogikkonzept“ im Sammelband „Praxis geschlechtssensibler und interkultureller Bildung“ im Springer Verlag erschienen. Erhältlich ist dieser Beitrag hier.

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child observation nr. 3

I introduced voting procedures. I begann letting children decide in collective what their desire would be for the day. First a discussion about what the options are took place inorder to later vote on them by raising hands.

I introduced this method several times durring the last month. Each time first a discussion about options and then a vote about which one the would prefer. Children are now asking for this process each day. They want to vote. What are my observations regarding this process: I realized that once they made a vote, there where less questions later on whether they could change the the decision made. They accepted that a vote was done and that it was their own. Also they seemed to process the idea that there is a connection between what I want, what I vote for and the decision that is being put to practice. It seems the decision-making process before it gets to vote is becoming interessting for them. Who and how do children form their opinion when asked to vote. Do they follow the opinion leader, do they vote to show like or dislike with someone else, do they vote for their own interesst, do they just enjoy raising their hands. All of these factors seem to matter.

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child observation nr. 2

Child 5 years old, starts gathering about 15 other children of the group during the morning in a kindergarden – no adults involved. The child initiates a process of selecting a game to play, lets all children vote and carries on to play the game which got the most votes. Winning game is the „chair dance“ where there is chairs for each child, music is being played, when music stops everybody has to find a chair. Next round one chair less and one child has to leave the game, played until only one player remaining.

The five year old asks for a drum to make music and starts the game, each round one child leaves the game. Fascinatingly all players seem to stick to the rule and seem to enjoy the game. One child however seems not to accept that it has to leave the game after not having found a chair fast enough. Child is being allowed by all to simply carry on playing. It seems a common understanding of the game has been agreed on – non verbaly. Everyone was part of the game and it seems aim was not only to remain in the game but to care about the needs of others.

After this observation a short discussion was initiated by the adult to talk about this experience, whether they liked it or not. About 15% said, they didnt like it, the rest that they liked it. Reason for not liking it was: I was sad, that we didnt play the other game.

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child observation nr. 1

Five year old child comes up to me and asks:

„Did you know that women who don’t have children don’t get old and don’t die?“

I: „How come?“

Child: „If a woman doesn’t get children, she can not become a grandmother!“

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child observations: intro

Under the title „child observations“ I will post observations of child behavior that I find interessting in regard to capacities and competences that three to six year old children show. I would like others to do the same and to contribute to a debate about what children are capable of.

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Rede zur Diplomfeier 2012, Abschluss der Kindergartenpädagogik Kollegs

Wussten Sie, dass Frauen, die kein Kind bekommen nicht alt werden und nicht sterben? Das hat mir ein Kind erzählt, im Kindergarten. Wir haben ein Serbo-Kroatisch-Deutsch Bilderwörterbuch angeschaut, ich  habe es einem Kind überlassen, dieses Kind hat die Geburt gefunden und mich darüber befragt und gleichzeitig gemeint: „Frauen ohne Kind werden nicht alt!“ Ich frage warum, wie meinst Du das? Das Kind sagt: „Wenn eine Frau kein Kind bekommt, dann kann Sie keine Oma werden!“

Was gibt es zum heutigen Tag zu sagen. Die Stadt Wien hat ein Ausbildungsprogramm entworfen, uns angeboten, wir haben es genutzt und abgeschlossen. Es gab und gibt lobende und auch kritische Stimmen, manche meinen gar man hätte das Geld lieber in die bestehenden Strukturen gesteckt, das ist eine schwierige Debatte, die zu führen ist, und seine Zeit brauchen wird. Jedenfalls ist dieses Ausbildungsprogramm ein Versuch, jemand hat etwas getan, jemand hat versucht Innovation ins System zu bringen und dies ist der Punkt. Dies ist wichtig, und vermutlich muss man nüchtern und klar sagen, die Innovation ist bis jetzt noch nicht weit genug gegangen und trotzdem ist es gut dass es geschehen ist. Es muss, meine Damen und Herren, ein Schritt von vielen noch zu tuenden sein.

Tatsache scheint allerdings zu sein, dass die Elementarpädagogik und die Kindergärten in Wien an einer Schwelle stehen, an einer Schwelle in eine neue Dimension. Wir werden den Wechsel von einer Betreuungsinstitution zur Bildungsinstitution erleben. Und nicht etwa durch eine „Verschulung“ der frühen Kindheit, wie das so viele fürchten, sondern durch ein kindinitiativ gestütztes, hoch reflektiertes Bildungskonzept.

Es ist ein profundes Missverständnis zu glauben, dass Betreuung und Bildung trennbar wären, es ist umgekehrt eine an naive Kurzsichtigkeit grenzende Bosheit zu glauben in der Volkschule ginge es nicht mehr um einen Betreuungsauftrag oder überhaupt später. Auch im Berufsleben suchen Menschen Betreuung. Betreuung und Bildung sind und das bestätigt die Gehirnforschung untrennbar mit einander verbunden und endet nicht mit dem Austritt aus dem Kindergarten!

Vielleicht ist für diese Schwelle des Kindergartens aber auch Voraussetzung, dass das Wort Bildung durchleuchtet wird. Und jenen hier und anderswo, die meinen Philosophieren sei etwas für die Freizeit und würde uns nicht weiterbringen: Kriege werden nicht von Menschen gekämpft die Denken, sondern von Leuten die Tun.

Die erste Frage also in unserem künftigen Arbeitsfeld muss lauten warum tun wir was wir tun, warum gibt es einen Kindergarten, wozu ist er gut, was bringt er, was und wer bin ich darin?

Wenn ich nun an die Kinder denke und ihre spektakulären Experimente die von unglaublichem Mut begangen werden, wie die Gedanken eingangs anmuten lassen, dann scheinen wir Erwachsene Ihnen oft nicht gerecht zu werden.

Stellen Sie sich vor ich würde Ihnen nun sagen, sie werden im nächsten Moment die Geburt rückwärts erleben. Stellen Sie sich vor, sie benötigen jetzt ihren Mund nicht mehr, ihre Speise und Luftröhre binde ich Ihnen zu, sie bekommen eine Nabelschnurr angeschnallt, da bekommen sie alles notwendige und dann stoße ich sie, natürlich nackt, in warmes Wasser. Ach ja, die Augen brauchen sie auch nicht mehr. Stellen Sie sich das vor! Die Geburt ist ein fulminanter Paradigmenwechsel, der unglaublicher nicht sein könnte. Ich habe das Gefühl, dass wir das noch nicht begriffen haben. Wie auch, an unsere eigene Geburt können wir uns nicht erinnern. Das Kind ist sicherlich noch beeindruckt von diesem Schritt, wenn es zu uns kommt.

Und das ist das spannende, wir haben eigentlich überhaupt keine Ahnung davon was das Neugeborene in der Tiefe, denkt, fühlt, wünscht, plant. Wir bestaunen mit großer Gier und Pracht den ersten Schritt, das erste Wort. Was ist mit all den anderen, vor allem den sozialen Schritten. Die Fähigkeit mit anderen Menschen zu interagieren ist eine noch viel größere Errungenschaft – die nicht Sprach oder Kulturabhängig ist sondern universell – , mehr noch die Fähigkeit über das Denken nachzudenken ist eine kolossale Entwicklung, die das Kind vermutlich – so der Stand der Forschung – zwischen 2 und 4 entwickelt. Das Denken über das Denken.

Das skurrile ist, dass viele von uns Erwachsenen nicht mehr bereit sind das zu tun. Über unser Handeln, über unser sein zu denken. Dies ist unumgänglich um in der Arbeit mit Menschen oder Kindern Momentum zu erzeugen. Eigentlich, ist es alles was wir haben um Zugang zum Kind zu erhalten. Das Einfühlungsvermögen, unser eigenes ich und die Reflexion mit anderen darüber.

Ich spüre sehr viel Angst in unseren Reihen, hier an der Schule, im Kindergarten in unserer Gesellschaft und dies wirkt sich direkt auf alle Beteiligten aus. Der Standard schrieb am 15.Dezember 2011: „Ohne medienkritische und politische Bildung wächst eine Generation heran, deren Denken und Handeln von Angst und Neid bestimmt werden“. Es macht mich wütend und enttäuscht wenn ich in eine Kindergartengruppe komme und man mir sagt, das Papier wäre aus weil gespart werden müsse. An Bildung, am Kindergarten darf nicht gespart werden. Meine Damen und Herren der MA10 und schließlich der Stadtverwaltung, es ist auch ihre Verantwortung sicherzustellen, dass jedes Kind in jedem Kindergarten Zugang zu Papier hat, wenn nicht machen Sie ihre Aufgabe nicht gut.

Ich richte heute einen Apell an Sie, an die Schule, an alle Entscheidungsträger. Der Kindergarten ist der potentielle Nukleus unserer Gesellschaft, weil hier vieles, sehr vieles offenbart wird, es ist an der Zeit, das zu erkennen und zu operationalisieren. Nirgendwo anders als im Kindergarten lassen sich gesellschaftspolitische Themen derart effektiv und effizient auf allen Ebenen angehen. Integration, Gesundheit, Bildung, Fremdenfreundlichkeit, Identität, alles lässt sich im Kindergarten, wenn er richtig ausgestattet ist fundiert entwickeln. Ich verstehe nicht warum damit auch nur noch eine Minute gewartet wird. Die Studien sind alle da, die ausreichend darlegen welche gesellschaftliche Bedeutung dies hat.

Wir werden daran arbeiten, heftig und mit aller Entschlossenheit, wir werden der Angst in den Köpfen mit Energie begegnen, sie herausfordern und ich sage hier und jetzt meinen künftigen ArbeitgeberInnen und KollegInnen: Lasst uns in unserer Vielfalt entwickeln, ausprobieren und reflektieren. Wenn ich künftig eine unkonventionelle Planung abgebe bringt mir das nichts wenn die Antwort darauf ist: „Das ist hier nicht so üblich“. Wir werden die Elementarpädagogik verändern, hier kommen neue Leute, neuer Wind, schnallen Sie sich an, lehnen Sie sich zurück!

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

Rede von Wolfgang Sieberth anlässlich der Diplomverleihung am 18. Februar 2012 an der Bildungsanstalt für Kindergartenpädagogik, Patrizigasse 2, 1210 Wien

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Alltagsfallen in der Schule, Fallbeispiel Nr.1

Der Lehrer referiert über die alphamotorische Vorderhornzelle, … seine Worte werden von einer Lebensweisheit und Unterrichtroutine geformt. Ein Schüler, der konzentriert mitschreibt hebt die Hand und fragt nach einer Wiederholung des soeben gesagten.  Es kommt zu einer Begegnung zwischen Lehrer und Schüler. Ein Impuls von Ärger kommt im Lehrer hoch. Er geht seinen Impulsen nach und erhält einen Gedanken von Entwertung und Missachtung, seines Vortrages. Seine Worte sind doch seins, er hat diesen Gegenstand geliebt, er hat viel Mühe in seinem Studium aufgewendet um sich dieser Materie zu widmen. Er spürt wie er in eine innerer Abwehrhaltung gerät, er empfindet es als Angriff gegen seine Person. Er gibt seinem inneren Raum und setzt Gleichzeitig einen Kontrollimpuls ein. … Ich hab das doch schon dreimal erklärt … kommt mit unterschiedlichen für ihn nicht kontrollierbaren mimischen Gesten zum Ausdruck. Der Schüler fühlt sich angegriffen und reagiert mit einem Inneren Impuls von Ärger, er fühlt sich entwertet. Er bekommt zustimmende Blicke für seinen Ärger der sich im Gesicht abspiegelt. Eine Welle von Feindschaft schwappt auf den Lehrer, seine unbewusste Angst wird ebenfalls zu einer trotzigen Abwehr. Er verstärkt den Druck auf die Gruppe, da sie ihm wiederspiegelt außer Kontrolle geraten zu können. Sadistische Impulse bekommen einen Nährboden in der Schülergruppe, es kommt zu einer Verleugnung der Szene und der Lehrer geht aus der Begegnung … er hat mal vor vielen Jahren diesen Beruf aus großer Liebe zu Jugendlichen und zur Biologie gewählt.  Was ist mit ihm passiert? Er verbraucht immer mehr Energie um die inneren Ängste im Zaum zu halten. Was hat dieser Beruf aus ihm gemacht, aus seinen Idealen, aus seinen Träumen, … er brauche sich doch nur abzugrenzen, sagen erfahrene Kollegen. Sie lassen alles in der Schule und denken nicht mehr daran mit was sie konfrontiert wurden. Es geht ihnen mit dieser Lösung gut. Wenn er sie aber mit den eigenen Kindern sieht, erlebt er eine Verpanzerung bei seinen Freunden, eine Abhärtung der Seele die nicht am Schultor zurück gelassen werden kann. Was passiert mit mir? Was belastet mich in dieser Arbeit? Was kann ich nicht sehen?

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